Wir wollen hier das Prinzip in aller Kürze darstellen, was aber nur geht, wenn man naturwissenschaftliche „Grobheiten“ in Kauf nimmt. Also: am Anfang war die Sonne ... und ihre Strahlungswirkung macht die Erdoberfläche warm. Direkte Folge ist die Erhitzung der Luft oberhalb der erwärmten Stelle. Was macht heiße Luft in einer Umgebung von kälterer Luft? Genau: sie steigt auf. Wer´s nicht glaubt, der sollte sich nie an einen Heißluftballon hängen J Wer jetzt staunt, warum da, wo sie vorher war, kein Vakuum entsteht, hat richtig nachgedacht. Denn die Erfahrung zeigt, dass es noch so warm sein kann - es ist immer genügend Luft da.
An den Stellen nämlich, wo die Luft aufsteigt, verringert sich der Luftdruck - es ist da jetzt relativ weniger Luft als drumrum - und der Druck in der kälteren Umgebung ist größer - denn dort sind jetzt relativ mehr Luftteilchen. Folglich strömt von allen Seiten nun die umgebende Luft in die Richtung des nachlassenden Drucks - also zu erwärmten Stellen hin.
Diese Ausgleichsbewegung der Luftteilchen bei entstehenden Druckunterschieden ist:
Wind !
Was macht nun die aufgestiegene Luft, nachdem sie oben angekommen ist? Tja, da oben ist man weit von der wärmenden Erdoberfläche weg. Sie kühlt ab, lausig sogar. Und was dann? Völlig klar: abwärts ! Dabei erzeugen die „abstürzenden Luftmassen“ unten auf der Erdoberfläche einen spürbar steigenden Luftdruck, denn alles, was von oben runterkommt, tut das. Und Zack: schon haben wir ein Hochdruckgebiet. Zweifler stellen sich jetzt mal eben in einen Wasserfall. Aus diesem Hoch strömt die Luft in Richtung des nächsten Tiefs; das Tempo der Strömung hängt vom Druckunterschied zu der umgebenden Luft ab. Die Drücke messen wir in Hektopascal (hpa - unbekannt) oder Millibar ( mb, bekannt - numerisch gleich) Fertig.
Das war´s. Der Rest sind Feinheiten. Tonnen davon, um genau zu sein. Manche sind nicht leicht zu durchschauen - z.B. die Strömungsrichtung. Die Bewegung der Luftteilchen folgt in der Praxis nämlich nicht genau der Richtung des Druckgefälles, sondern bildet einen Winkel von 70° bis 80° dazu. Daher sind glücklicherweise die Luftbewegungen von einem Hoch in ein Tief nicht in wenigen Minuten erledigt (wir könnten das Windsurfen aufgeben), sondern dauern tagelang an. Schließlich strömt das meiste ja dran vorbei und drumrum, anstatt auf direktem Wege hinein. Glücklicherweise.
Persönliche Mistralvorhersage mit 90%iger Garantie
Tun sich viele dieser Detailwirkungen zusammen, dann können lokal ziemlich drastische Windeffekte entstehen, an denen wir wiederum unseren Spaß haben. Der Mistral (Südfrankreich, Nordspanien, Korsika) ist ein herrliches Beispiel. Wenn er sich erhebt (Leucate, Hyeres, Sanary), dann geht in allen Monaten mit einem „r“ drin ein echtes Risiko auf See um. Ein winterlicher Mistral kann tagelang über 9 Bft wüten. Sogar im Sommer muss manchmal eine Seefähre ihren Törn absagen, wenn Mistral herrscht. Aber man kann ihn „kommen sehen“ ...
Voraussetzung ist ein ordentlichesTief im Golf von Genua oder über Oberitalien, das irgendwie nicht weiterzieht. Wenn dann in der Folge über Westfrankreich der Luftdruck hochgejubelt wird, weil das nächste Hoch kommt, dann entsteht ein Druckgefälle genau in Richtung des Verlaufs der südfranzösischen Küste nach Osten. Mistral entsteht immer, wenn das Druckgefälle in Richtung Genua verläuft - und groß genug wird. Für die Praxis reicht vollkommen, wenn man auf irgendeine Wetterkarte mit Luftdrucklinien guckt ... und jetzt kommt der Trick:
Verlaufen mindestens drei dieser Linien zwischen Marseille und Genua quer zur Küstenlinie, dann kommt der Mistral so sicher wie der Donner nach dem Blitz. Noch genauer geht die Prognose, wenn man die täglich gemessenen Druckwerte kennt (in jedem Hafen als Aushang zu lesen): ist der Druckabfall zwischen Marseille und Genua größer als 15 Millibar, dann steht der Mistral unausweichlich bevor, und man kann schon mal das Vierer schärfen ...
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